Gedenken an jüdische Flüchtlinge

19.08.1999:: Caux Switzerland

Heute morgen wurde in Caux an die Pflicht des Erinnerns gemahnt und der Flüchtlinge von gestern und heute gedacht. Eine Gedenktafel unter der bereits 1997 gepflanzten Eiche wird künftig an die 1400 Juden, die im Jahre 1944 im Caux Palace Zuflucht gefunden hatten, und an diejenigen, die an der Grenze abgewiesen worden waren, erinnern. Die Inschrift auf der schlichten Tafel vor dem überwältigenden Panorama des Genfer Sees und der französisch-schweizerischen Voralpen lautet: "Im Gedenken an die jüdischen Flüchtlinge, die während des 2. Weltkrieges hier untergebracht, und jene, die an der Schweizergrenze abgewiesen wurden. Wir vergessen sie nicht."

Gedenktafel
Dieses bild zeigt die Gedenktafel. Bitte auf das Bild klicken für eine Vergrösserung.

Claude Ruey,Präsident des Staatsrats des Kantons Waadt, sandte eine Botschaft, da er wegen einer Pressekonferenz über das bedauerlicherweise immer noch aktuelle Flüchtlingsproblem nicht persönlich an der Gedenkveranstaltung teilnehmen konnte. Ruey beschrieb das Erinnern als "eine der edelsten und höchsten menschlichen Tugenden". Er richtete sich an das jüdische Volk: "Ihnen widerfuhr ein solch einzigartig grausames Schicksal, dass die gesamte Menschheit künftig unter seinem Zeichen steht. Ein Schicksal, das entgegen aller verlogenen und abscheulichen Bemühungen tiefe und schreckliche Spuren in der Geschichte hinterlassen hat."

Wir müssen der historischen Wahrheit mutig und direkt ins Auge blicken, fuhr Ruey fort, aber die Pflicht des Erinnerns sei "eine schmerzhafte Tugend für die Schweiz". Es ginge nicht darum, der Vergangenheit zu gedenken, um die Gegenwart zu verdammen; "das Erinnern der Älteren soll den jüngeren Generationen die Augen öffnen. Dem Kanton Waadt mangelt es nicht an Mut". In seinen Augen enthüllt diese Vergangenheit die Stärken und Schwächen der Menschen, "auf der einen Seite Kleinmut und Hohn; auf der anderen Mut, Entschlossenheit und Kompromisslosigkeit". Zum Abschluss fügte er hinzu: "Die Suche nach der Wahrheit ist ein ständiger Prozess geprägt vom Blick sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft."

Der Bürgermeister von Montreux, Pierre Salvi, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass seine Stadt mit einer Einwohnerschaft von 16'000 Menschen zu Beginn des Jahres 1945 viertausend Verwundete, Deportierte und andere Flüchtlinge aufgenommen hatte, darunter auch jene Juden, die im Hôtel Esplanade, dem früheren Caux-Palace, untergebracht worden waren. Er sagte, es sei wichtig, dass jeder für sich die Frage nach seiner persönlichen Schuld beantwortet. Für ihn "neigt der Mensch dazu, seine Fehler zu vergessen und sie zu wiederholen"; daher sei es wichtig, die Hände nicht in den Schoss zu legen. Die Region nehme auch heute noch hunderte von Flüchtlingen auf. Er schlug eine Brücke zwischen der Geschichte und der heutigen Bestimmung des inzwischen in ein Begegnungszentrum umgewandelten Hotels: "Die Heilung der Wunden der Vergangenheit ist die Basis einer besseren Zukunft geprägt von Toleranz, Vergebung und Liebe zwischen den Völkern. Jeder kann dazu beitragen."

Nach Aussage der Organisatoren sind "die Gedenktafel und die schlichte Gedenkfeier Ausdruck des Wunsches, im Hinblick auf die Gestaltung einer weniger belasteten Zukunft, an der alle teilhaben können, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen". Der Pfarrer von Montreux, Olivier Fonjallaz, sprach ein Gebet. Auf Wunsch des leider verhinderten Rabbis Hervé Krief aus Lausanne verlas einer der Organisatoren Psalm 70. Unter den Gästen der Gedenkfeier waren auch die Teilnehmer aus aller Welt des letzten Konferenzabschnitts mit dem Titel "Ziele und Werte für das 21. Jahrhundert". Als Zeichen der Solidarität mit den Flüchtlingen der heutigen Zeit entzündete jeweils ein Vertreter der fünf Kontinente eine Kerze.


- Andrew Stallybrass, Christoph Spreng

Neuigkeiten:

12. Juli 2011: Ruth-Gaby Vermot-Mangold eröffnet die temporäre Ausstellung «Ohne Frauen – Keinen Frieden», die bis am 8. August in der CAUXexpo besichtigt werden kann.

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